Vod«mi» l»^d«l6»^lil,«!-.) ^r. l53. 8 e r Redl!" «ine Darlegung des Falles, welche einig« neue Details enthält. Durch ein« vntraul'iche Mitteilung erhielt vor etwa sieben Wochen das mit der Leitung des Nach» »ichtendienstes betraute Bureau unseres General» stabes Kenntnis, daß wiederholt in Wien posllagerndc Briefe und Geldsendungen einlangen, die daraus «schlichen lassen, daß mit diesen Sendungen Spionage in Verbindung sei. Es »vurde hierauf uon der mili» »arischen Stelle sofort die Ueberwachung des bctref» senden Postamtes verfügt. Durch Wochen wurde das Amt von Geheimagenten überwacht, dcncn in der Postanstalt zum Aufenthalt ein besonderes Zimmer eingeräumt wurde, das mit deni Post rcstantc»Schal» ter cine elektrisch« Glocleiwerbindung erhielt. Diese Ueberwachung blieb bis 24. Mai erfolglos, da die eingelangten Sendungen während der ganzen — un» gcfahr sechs Wochen währcndcn — Zcil nicht behoben wordcn waren. Am 24. Mai, gegcn 6 Uhr nachmittags, fand sich bci dem »bezeichneten Schalter ein in Zivil getlei» beter Mann ein, der die mit einer Deckadreffe ver» scheuen postlagerndcn Sendung übernahm. Die De» tcltivs, davon avisiert, leiteten die Verfolgung dieses Mannes ein. Dessen Verhaftung an Ort und Stelle erschien unopportun, da er möglicherweise nur eine Mittelsperson sein lonnte. Der Uebcnvachtc bestieg em Automobil, und da cin zweites zur unmittelbaren Verfolgung im Augenblick nicht gegenwärtig war, tonnten sich di: Agenten nur darauf beschränken, die Nummer dcs davoneilenden Wagen zu notieren. Es gelang ihncn jedoch nach einiger Zeit, das leer zu» riickfahrendc Auto zu entdecken und das Hotel festzu» siellcn, in dem der Verfolgte abgestiegen »var. Bei der Durchsuchung des Kupees fanden »die Deteltiocs das Etui cines Taschcnniefscrs. Sic begaben sich in das erwähnte Hotel uiü> »beauftragten den Portier, den zuvor Angekommenen, der ihnen als „Ober st Redl aus Prag" bezeichnet wurdc, zu befragen, ob ihm das Etui gehöre. Der Portier erhielt von Ncdl eine bejahende Antwort, wodurch dejscn Identi» ta. als der Bcheber dcr Briefe erwicfen erschien. In Redl mochte sogleich, nachdem er diese Ant» wort gegeben, der Godanle aufgeblitzt fein, daß er fich durch fie verraten haben lonnte. Von ditsem Augcnblicl an, da «r sich überwacht fühlte, mag die Sicherheit ihn verlassen unb das plötzlich in chm in ganzer Große laut gewordene Bewußtsein seiner Schuld ihn überwältigt haben, da er von da an — wi« sich später erwies — zurSelbs.lolUNg emjchlosscn war. Er schrieb in der Host einig« Abschieds» briefe. Für feine Absicht sprach auch, daß sich Redl sein dolchartiges Tasche nmeffer sowie eine Schnurin Bereitschaft legte. Es dürfte gegen 8 Uhr abends gewesen sein, als sich Redl — in Uniform umgclleidct —» in eine Restaura» tion begab, in welcher cr mil cinem Nelannlen, dem Gcneraladvokaten Pollal, zusammentraf. Redl ^igte sich ungeheuer aufgeregt, erklärte einem Freunde, daß er ein schweres Ver. »rechen begangen habe und sich das Leben nchmcn müsse. Pollal erblickte in diesen Mitteilungen und im gesamten Verhalten seines Freundes Anzeichen einer beginnenden Geistes» gestörlheit. Er begleitete Rebl ins Hotel und verließ ihn beim Holeleingang, nachdem er zuerst über scinc Wahrnehmungen und Vermutungen der Polizeidireltion telephoni»ch Nachricht gegeben hatte. Mittlerweile lvar die Polizeidireltion bereits von den Geheimagenten von dcm Resultate ihrer Erhc» düngen verständigt worden, so daß die später erstat» tete'Meldung des Gcneraladvolaten Pollal in ihrer Art die Feststellung «rgänztc und bestätigte. Die weitere Darstellung der „Milit. Rundschau" deckt sich mit den Mitteilungen des Landesverteidi» aungsministeis: schließlich vetont das Organ des Kriegsministeriums, daß die Homosexualität Redls, die auch in seiner Wohnung vorgefundene' Photo» graphien erwiesen haben, den Mann Erpressern auslicfertc, und daß er nichl die Willensstärke hattc, der Versuchung standzuhalten, sich die Mittel zur Ne. friediqung der Erpresser auf verbrecherische Art zu beschaffen. Er sei ein Mi nderwertiger gewe. sen, und in dcr Armee dürfe für physisch odcr mora» lisch Minderwertige lein Raum sein. In Zukunft werde die Umsicht, mit der man immer auf die Rein» heil der Armee achtele, auch auf das durch Red! plötzlich nahegerückte Gebiet auszudehnen fein. Eine Ko«il«l«iio«. Die heutig« NümMer d« „Arbeiterzeitung" wurde wegen des Leitartikels, der in scharfer Weise »di« gestrige Interpcllationsbeanttvortung in dem Falle Rcdl behandelte, beschlagnahmt. ^ «iini, Also«, und die «evnttilaner. M««id, S. Juni. In der gestrigen Kammer» ltzung bekämpfte der Republikaner Azc« rate die Politik Mauras und pries die «Vesinnuna des Königs, der durchaus freisinnig fci, jedenfalls viel freisinniger, als gewisse Leute glaub««. Azcarate fügte hinzu. Wenn die Republikaner mit der Mon» archie zusammenarbeiten sollen, vorausgesetzt, baß diese den Weg zn Freiheit und Fortschritt weisen, sc» werd: er einen solchen Beschluß respektieren. Anarchistische Propaganda w Pari«. Paris, 5. Juni. Am Abend crtapte ein Schutz» mann drei Männer und cine Frau, als sie einige Pasiicvbündel über die Mauer der TaurelleZlaserne Marsien. Die Leute ergriffen die Flucht,, doch gelang es der Polizei zwei derfclbcn in einem Hotel, Wo sie unter falschem Namen wohnten, festz«lehwen. Die Verhafteten verweigerten icde Auskunft über ihre Perfon und über ihre Helfershelfer, standen je» doch, daß sie Anarchisten seien und antimi» l >itaristis che Flugschriften in den ssvsernhof geworfen hätten. Die Identität der Leute lonnte noch nicht festgestellt weiden. In dcn Bündeln bo fanden sich unter anderem heltographierlc Aufrufe, in denen die Soldaten aufgefordert werben, gegen die dreijährige Dienstzeit zu demon» strieren. __________ Ein bentsch'franzisifchel 5ll,l. Berlin, S .Juni. Hier lvurde uon zahlreichen deutsche!, und fast sämtlichen in Berlin etablierten französischen Kaufleuten cin deuts«l»»srairzösischcr Klub gegründet, der hauptfächlich den Kauflcu» t c n beider Länder Gelegenheit geben soll, sich näher kennen zu lernen. Bestimmte politische Ziel« sollen nicht verfolgt lverden, doch »vird dcr Klub für d»e Errichtung ciner französischen Handelskammec in Berlin und einer dcutschen Handelskammer in Paris eintreten. __________ Streilausschreitungen. Stettin, 6. Juni. sPrivat.) Im nahen Frauen» bcrg haben sich gestern große Ausschreitungen er.» eignet. In der glchoricnfabrik Wciß herrscht selt einigen Wochen Streik. Ein ArbeitsnnUiger namens Brandenburger »vurdc von den Streikenden wieder» holt angesprochen, dic ihn bereden wollten, die Ar» bcit niederzulegen. Gestern tötete Brandenburger vis Abessn. »»nK«n. «'g!»!»!!!!, ...... ««»!<»»»',!»!...... 2»l»l,. Un»ll». r«ll»m»,«,l»!!ll Un»»», «»si«»!,»!««»,!!, . 2»!:m. I-öllzl-ilM-l.»«-. !,l>n«<«i don!« .... »»>-!»il- ....... 2«n!>.»!m. Un!»,bl»n!! . . V«i'!<°ii',!,"-»,>«!»,!!.»..... lu»! 1.7» 1.— ti___ S. tu»! z. 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