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Die Börsen verkehrten in fester Haltung. ZteaugwärtigeVebatteimAbgeordneten» Hanse. Tic erste Lesung bes Budgetproviforiums erledigt. Wien, 29. Mai lPrivat). Das Abgeordneten» b.iuü wird auch heute eine Dauersitzung halten. ?.ol>d?m ist es noch nicht sicher, ob es gelingen !.'ird, heule die Budgetdebatte zu beenden. Es hat sich „iimiich außcr den vorgemerkten Rednern cmch noch ciüe Reihe Abgeordneter zu tatsächlichen Berichl.» «üiMn gemeldet. Als erster sprach heute der christlichsoziale Ab» ,>7-.0ncte Dr... Heil in ger, dcr die auswärtige Voiilil scharf 'kritisierte und alle für die Mobilisie» ..mg aufgebotenen Kosten für überflüssig ^rtlärte^ Der Wiener Abgeordnete Friedmann er» imn-le im größten Teile seiner Ausführungen Wirt» 'cl:.iftlichc fragen, dic durch die Balkantrise entstnn» di, iind. Dcr tschechische Agrarier Kotla»- drohte wie?:»- einmal mit der Obstruktion, wenn die Regie» »üüg zögern sollte, in Böhmen geordnet« Zustände '» schaffen. In diesem Falle »m'irden »die Tschechen di? Parlament zcrschlasseil. Der Pole Buzek legte Vcrwohr.ing dagegen ein, daß man dem Hirtenbriefe d?r polnischen Bischöfe cinc politische Tendenz un» mschiebe. Dcr Ruthenc Baczynsl» betonte !!.'chn.a!>3 die scharf oppositionelle Stellung der Ru» .heul.'!,. Hierauf sprach dcr Slolvenc Dr.Rybar. Es sprach noch der Abg. Sosardiö, woralif vier !a>Iächliä)e Bcrichtigungcil folgten. Damit lvar dic "stc Lesung dcs N u »d getp r ou isori n m 3 er» !cl,iqt «nd dic Vorlage lvurde dcm Nndgetausschusse !iu,',ewicseii. Doutjchböhnlische Vereinigung. Die deutschböhmi»schc Vereinigung des Abgc» -">>.'..cnhauses hielt Ixnllc vormittags eine Zitzuuq "b, in welcher, die Mitteilungen festgestellt wino,-.,, welche demnächst im Namen des Verbandes ..ni Ministerpräsidenten gemacht werden lollen. Audienz des Ministerpräsidenten. Miiiislcvpräsi.'cnt Graf Stürglh »vurde ^ulc vom Kaiser in besonderer Audienz ciupfangen. ^eic >-i!t der Berichterstattung über die parlamen» an,»!,- ^<,gc und über die dem Ende zugehende aus» wlirtinc Tebatle im Abgeurdnetenhause.' Die Friedeusfrage. Die Vertrngsnntcrzeichnung morgen. London, 29. Mai. Nach dcr ..Timcs" ist cs so !>"< wie sicher, daß der Frieden svert rag », orgcn von sämllichcn Delegierten unterzeichnet werden wird. ^ ^ 3er Selbstmord des sbersten Nedl. Wegen Micher Verfehlungen nnv Svionage. lWllirung de« Kriegsmwifterimns. Vie Schuld des Toten. Wi«n, 29. M«i sPriv»t). D« zuerst von der »»»heuli»" gemacht« Mitteilung, daß der Selbst» morb b«s Oberste» Redl «it «iner Spi»»«ge»ffäre zusammenhänge, sindet nunmehr ihre vollinhaltlich« offizielle Bestätigung. Die „Militärische Rund» schau", das Organ des Kriegsminister«'»«»«?, schreibt in ihrer h«»tigen Abendausgabe: In der Nucht vom Nl«st«g, den 24. »uf Sonn» tag, de» 23. b. hat der gewesene Oberst Redl durch Selbstmord geendet. Redl hat diese Tat vollführt, »ls m«n im Begriffe war, ih« folgender schwerer nnd »»her Zweifel gestellte» Verfehlung«» zn über» weise» H » « »s« z ^ell« « Be « lehres, der «»zielt« »VG»zerizlelt,» b«chi«, 2. Verlaufl«serv»t«r dienstlicher Behelfe «n Agenten «iner 1l«mden M«ch». ,, z. H, ch» il« st»« Vie Veweggrsnve de« selbftmorves. Der Tod des Generalstabschefs Obersten Alfred Redl, der, wie bisher festgestellt werden konnte und aus dem Verhalten der zuständigen Behörden und seinein rühmlosen Lcichenbegängmss« geschlos» sen werden tanu, in Zusammenhang mit einer Spionageaffäre steht, wird von anderer Seite auf eine strafbare Verfehlung zurückgeführt. Vor nicht zu lancier Zcit hat nämlich einBursche Redls sich ins Wasser gestürzt und ist ertrunken. Dicscr Selbstmord, der aus Beziehungen zwischen den» Offizicrsdiener und Redl zurückzuführen sei, soll zu Erpressungen gegen Redl benützt »vor» den icin, deren Opfer er wenigstens teilweise wurde. Oberst Redl lebte als junger Offizier zur Er» lcrnling der russischen Sprache längere Zeit im Kaukasus, wo cr naturgemäß mit russischen Offi» zieren verkehrte. Während seiner Tätigkeit im Euidenzbüro dcs Kriegsministeriums wurde er als Oberstleutnant anläßlich der Annexionslrise nach Berlin geschickt. Bei seiner Abreise erhielt er vom dcutschcn Kaiscr in Würdigung seiner Verdienste dcn preußischen Kroncnorden 2. Klasse und nach seiner Rückkehr nach Wien di« Eiserne Krone 3. Klasse. Oberst Redl war in Prag auch Leiter des Aus» tuuflsbürus des Korpskommandos. Diese Insti» tution dient dcnsclbcn Zlvecken wie das Evidenz» büro des Kriegsministeriums und brachte den Ver» tehr Reols mit Personen mit sich, die zu einer ano> nymcn Anzeige Anlaß gaben. Nach unverbürgten Nachrichten soll Redl ein Vermögen von zwei Millionen Kro» nen hinterlassen haben. Redl in Wien. Nie», 29. Mai sPrivatj. Zu bem Selbstmord« des Geneiail-stabschefs Oberst Redl erfahren wir folzzende Details: Redls Reise nach Wien erfolgte über Aufforderung des Kiiegsministeiirnns, doch halt« der Oberst kein« Ahnung, was den Anlaß z« seiner Berufung bildete, da er »iederhott dienstlich nach Wien prüfen wurde. Noch bevor er aiber »m KilOgsminffterium erscheinen konnte, erhielt er im Hotel Klomfer in der Herrenycrss«, wo er abgestiegen »rar, den Besuch dreier ihm befreunde» ter Offiziere. Der Inhalt der Unterredung mit diesen ist seldstverställblich ein großes Geheim» nis. Tatsache ist, daß einer der drei O fiziere beim Weggehen iseinen Brown-ioiF» Revolver im Hotelzimmer des Obersten znrück» ließ. Die drei Offiziere verließen das Zimmer Redls, blieben aber noch geraume Zeit im FKlr des Hotels stehen. Wenig« Minuten später ertönte ein Schuß, der im ganzen Haufe hörbar »var, worauf bi« V fixiere fich entferirten. Interpellatilm im Abge«rdnet«nh»»se. Wien, 29. Mai. In der hent-igen Sitzung des Abl^ordneten^luses brachten die Abg. W»»ihelm Neumann und Gen. an den Lcmdes«iteKi»M»gs» minister folgeilide Interpellation ein: Vor einigen Togen hat sich ein Oberst des Ge» neralstabstorps erschossen und als Ursache seines Selbftnwides wurde Geistesstörung, hervorgerufen durch bnmftlilhe UeberairslriAvglmg aus Anlaß der letzten Kriegsvorbereitung, angegcwen. Da diese Ne» gründlmg an sich nicht »»»hrscheinllch ift uud der SelHstniorb unter mysteriösen B<^eituü>rständel», nämlich bald nach dem Besuche dreier Offiziere, er» folgt fein soll, kamen Gerüchte in Umlauf und fan» den auch in die Ta»gespi«ss« Eingang, daß der aus dem Leben geschiedene Offizier, »oelcher »m«berholt VertrauenSmal»»» ber österreichischen Heeresverwal» tung in Spi«mage»M'gelegeliheiten loar, selbst in eine Spionugeangelegenheit verstrickt worden fei. Wir stellen daher die Anfragen: Ist der Herr Landesverteidiczult'göminlftei be» reit, übcr diesen Vorfall Aufklärungen zu geben? 1. Um die Ehre des toten Offiziers, werm dies« Gerüchte unberechtigt sein sollten, vor dem cntstcmdenen Verdachte zu schützen: 2. um, wenn die Gerüchle aus Wahrheit be» ruhen sollten, auch bie Ursachen darzlllegen, wellhe zu einen» »so ungeheuerlichen Vor» lonlmiiis führen konnten. Milltäige.ichtlichc Unterfuchung. Nie wir erfahren, ist in der Angelegenheit des obersten Rcdl, mit dcrcn Erhebungen sich das Korps» kommando befaßt, auch eine militärgerichtlilhe Un» lcrsüchlmg im Zuge, deren Leitung der Hcruptmann» »,i!dito»r Leopold Riiicr u. Mayersbach inne hat. IM^O !»»«»»m»n »ur l»«l LpKlÄm l.öbl, prgg